Weblog Kabert

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Helmut Bez

Geboren am 28. August 1930 in Thüringen.
Kindheit in Artern und Heldrungen an der Unstrut. Realgymnasium in Erfurt. Schauspielausbildung am Thüringischen Landeskonservatorium.
In den 1950er und frühen 1960er Jahren Schauspieler in Heiligenstadt, Nordhausen, Erfurt, bei der Leipziger Spielgemeinde, in Quedlinburg, Eisleben und am berliner Metropoltheater.
Seit den 1960er Jahren freischaffender Autor mit Werken für Bühne, Radio, Fernsehen und Kino.
In den 2000er Jahren entstanden Erzählungen, Romane und Lebenserinnerungen, die sämtlich bislang unveröffentlicht sind.
Gestorben am 7. August 2019 in Mecklenburg.

Libretti für musikalische Bühnenwerke

Servus Peter – mit Gerd Natschinski und Jürgen Degenhardt, Karl-Marx-Stadt 1961
Musik ist mein Glück – Eisleben 1962
Die Schwarze Perle – Erfurt 1962
Mein Freund Bunbury – mit Gerd Natschinski und Jürgen Degenhardt, Berlin 1964
Kleinstadtgeschichten – Erfurt 1967
Froufrou – Erfurt 1969
Bretter die die Welt bedeuten – mit Gerhard Kneifel und Jürgen Degenhardt, Berlin 1970
Die Wette des Mister Fogg – Leipzig 1972
Terzett – mit Gerd Natschinski und Jürgen Degenhardt, Leipzig 1974
Keep smiling – Leipzig 1976
Casanova – mit Gerd Natschinski und Jürgen Degenhardt, Berlin 1976
Liebhabereien – Parchim 1978
Prinz von Preußen – Erfurt 1978

Sachbuch

Musical. Geschichte und Werke – mit Jürgen Degenhardt und H. P. Hofmann, Lied der Zeit 1980

Stücke für Schauspiel

Zwiesprache halten – Magdeburg 1977
Jutta oder Die Kinder von Damutz – Halle 1978, Stückabdruck in Theater der Zeit 10/1978
Dobberkau ist da – Gera 1978
Warmer Regen – Zwickau 1979, Stückabdruck in Theater der Zeit 11/1979
Die verkehrte Welt (nach Ludwig Tieck) – Greifswald 1983, Stückabdruck in Theater der Zeit 1/1982
Nachruf – Brandenburg 1985
Kleiner Mann was nun (nach Hans Fallada) – Chemnitz 1993
Das Glas Wasser (neue deutsche Fassung nach Eugène Scribe) – Celle 1996
Der Tiger – Frankfurt/Oder 1998
Nele oder Die Leute von Altwreech – Potsdam 1999
Kahlenberg – 2001

Film und Fernsehen

Vorsicht Kurven – Fernseh-Musical 1969
Heiraten/weiblich – Fernsehkomödie 1975
Frauengeschichten – Fernsehspiel 1979
Sag doch was du willst – Fernsehkomödie 1981
Wengler & Söhne – Spielfilm DEFA 1987
Späte Ankunft – Fernsehfilm in zwei Teilen 1988
Jutta oder Die Kinder von Damutz – Fernsehfilm aus der Reihe "Polizeiruf 110" 1995
Dein Wille geschehe. Ein filmischer Traktat – TV-Essay 1996
Mein Gott, Martin. Ein Interview mit Katharina von Bora – TV-Essay 1997

Hörspiele

An diesem Samstag – 1965
Auf Tuchfühlung – 1967
Das zweite Feuer – 1970
Französisch fakultativ – 1971
Die Rückfahrt – 1973
Zwiesprache halten – 1976
Letzte Nachrichten – 1977
Jutta oder Die Kinder von Damutz – 1978
Spätvorstellung – 1979
Dieser lange Vormittag – 1981
In ihrem Sinne – 1981
Verfrühte Ankunft – verspätete Rückkehr – 1982
Die Befreiung oder Liesgen hör zu – 1983
Die erste große Fahrt der Hoffnung – 1985
Dobberkau ist da – 1989
Der 37. Kongreß – 1989
Große Taten (Sternstunden, Teil 1) – 1989
Das Reich von Geist und Seele (Sternstunden, Teil 2) – 1989
Juventus bricht den Nimbus des Livorno (Sternstunden, Teil 3) – 1989
Gentz oder Alles paletti – 1990
Als ginge ich mir selbst verloren – 1991
Jopp oder Die Wohlgefälligkeit – 1994
Die Armee Wenck – 1994
Nützliche Erhebung – 1993
Crash oder Letzte Ausfahrt Brilon – 1996
Tod in der Provinz – 1997
Klischnigg – 1997

Radio-Features

Kaberts Reisen und der Versuch, ihm dabei zuzusehen – 1990
Bin ich noch in meinem Haus? Gerhart Hauptmann in Agnetendorf – 1993
Selzthal oder War ich das wirklich? – 1996
Kathmandu oder Die Erörterung der Vorletzten Dinge – 1999

Erzählerisches Werk

Frühe Gedichte und Erzählungen sind in Anthologien veröffentlicht:

Neue Texte – 1967
Wochentage – 1973
Vor meinen Augen – 1977

Unveröffentlicht:

Jammerbugten oder Der Ernst des Lebens – Roman 1998

Fischland oder Die Liebe in den Gezeiten der Gier – Sechs Erzählungen 1999

Eclipse oder Es waren eben die Zeiten damals – Roman 2003.

"Die Erinnerung ist eine unglückselige Erfindung." (André Gide)

Benefiz – Roman 2005.

"Theater ist soviel wie ein bißchen Überleben, weniger lang, als man selber glaubt." (Aragon)

Kuhschnappel oder Die Erschlaffung der Welt – Roman 2009.

"Reden wir über Kabert, über Hermann Alfred Kabert. Beziehungsweise über einen, den wir Kabert nennen wollen. Über einen, der sich möglicherweie auch selbst erfunden hat."

"New York ist irgendwie anders als Kuhschnappel, das sahen wir eigentlich auf den ersten Blick, allein schon Manhattan."

Kabert oder So müßte es bleiben. Das siebte Buch – Lebenserinnerungen 2019

Mehr über den Autor

Kontakt

Thomas Bez bez@tedesca.net

 


Helmut Bez ist verstorben

Von Thomas Bez
19.08.2019 09:10 UTC neu
im Weblog Kabert

Helmut Bez starb am 7. August in Mecklenburg. Er war einer der letzten ostdeutschen Dramatiker.

Sein erstes schriftstellerisches Leben galt der heiteren Musikdramatik, vielfach in Zusammenarbeit mit Gerd Natschinski und seinem Jugendfreund Jürgen Degenhardt. Noch immer gelegentlich aufgeführt wird Mein Freund Bunbury aus dem Jahr 1964. In den 1970er Jahren wandte er sich Schauspiel (Jutta oder Die Kinder von Damutz), Hörspiel (Zwiesprache halten) und Film zu. Sein Fernsehfilm Späte Ankunft von 1988 wird noch dann und wann ausgestrahlt. Die Wahlheimat von dessen Hauptfigur, des Landarztes Holtfreter, an der Grenze zwischen Prignitz und Mecklenburg sollte auch sein später Lebensort werden.

Bez' dritte Schaffensperiode, die letzten zwanzig Lebensjahre, fand abseits von Lohn und Zwängen der Öffentlichkeit statt und war möglicherweise dadurch die intensivste. Mit Melancholie und Leidenschaft schrieb er bis fast zum letzten Tag und hinterläßt unveröffentlicht ein umfangreiches erzählerisches Werk.

Er starb ein halbes Jahr nach seiner Frau Elisabeth Charlotte, geborene Roloff.

 


Theater der Zeit

Von Thomas Bez
24.11.2019 09:00 UTC neu
im Weblog Kabert

Artikel in der Zeitschrift Theater der Zeit über Werke von Helmut Bez und etliche Aufführungen:

Heft Seite Werk
11/1973 21 Mein Freund Bunbury Aufführung Metropol-Theater Berlin, Regie Hans-Joachim Martens
9/1974 26 Terzett Uraufführung Leipzig, Regie Wolfgang Weit
11/1976 44 Casanova Uraufführung Metropol-Theater Berlin, Regie Wilfried Serauky
4/1978 39 Liebhabereien Uraufführung Parchim, Regie Karl Sternfels
4/1978 2 Zwiesprache halten Uraufführung Magdeburg, Regie Andreas Schmidt-Schaller
10/1978 54 Jutta oder Die Kinder von Damutz Uraufführung Halle, Regie Horst Ruprecht, Dramaturgie Sigrid Schleede
10/1978 55 Jutta oder Die Kinder von Damutz Gespräch mit Hans-Rainer John
10/1978 57 Jutta oder Die Kinder von Damutz Stückabdruck
12/1978 1 Dobberkau ist da Uraufführung Gera, Regie Bärbel Retemeyer
4/1979 12 Jutta oder Die Kinder von Damutz Aufführung Anklam, Regie Klaus Stephan, Dramaturgie Thomas Wieck
5/1979 3 Prinz von Preußen Aufführung Brandenburg, Regie Hella Zocher
11/1979 32 Jutta oder Die Kinder von Damutz Aufführung Magdeburg, Regie Peter Sodann
11/1979 54 Warmer Regen Gespräch mit Hans-Rainer John
11/1979 56 Warmer Regen Stückabdruck
12/1979 53 Warmer Regen Uraufführung Zwickau, Regie Jens-Peter Dierichs
5/1980 1 Jutta oder Die Kinder von Damutz Aufführung Dresden, Regie Horst Schönemann
7/1980 13 Jutta oder Die Kinder von Damutz Über die Inszenierungen in Magdeburg, Dresden und Berlin (Regie Friedo Solter)
2/1981 2 Warmer Regen Aufführung Anklam, Regie Matthias Renner
9/1981 81 Musical - Geschichte und Werke Sachbuch mit Hofmann und Degenhardt, Verlag Lied der Zeit
10/1981 3 Jutta oder Die Kinder von Damutz Aufführung Gera, Regie Andreas Schmidt-Schaller
12/1981 2 Casanova Aufführung Halle, Regie Klaus Winter
1/1982 57 Verkehrte Welt Gespräch mit Hans-Rainer John
1/1982 58 Verkehrte Welt Brief des Dramaturgen Peter Reichel
1/1982 60 Verkehrte Welt Stückabdruck
8/1983 1 Warmer Regen Aufführung Freiberg, Regie Andreas Greiner
9/1983 2 Terzett Aufführung Metropol-Theater Berlin, Regie Klaus Gendries
5/1984 48 Verkehrte Welt Uraufführung Greifswald, Regie Thomas Wieck
4/1985 3 Verkehrte Welt Aufführung Anklam, Regie Wolfgang Bordel
1/1986 2 Nachruf Uraufführung Brandenburg, Regie Ulf Brandstädter
9/1993 19 Kleiner Mann was nun Uraufführung Chemnitz, Regie Hartwig Albiro
1/2000 45 Nele und die Leute von Altwreech Uraufführung Potsdam, Regie Peter Kleinert und Carl-Hermann Risse

 


Der Welt verloren gehen

Von Thomas Bez
23.08.2019 08:02 UTC neu
im Weblog Kabert

„Ich lag auf dem Sofa“, sagte Kabert, „und hörte das Es-Dur-Cellokonzert von Shostakowitsch, in dessen zweitem Satz unendliche Trauer über mich kam. Ich stand auf und blickte in den Park, ich sah die nackten kahlen Bäume, deren filigrane Verästelungen sich gegen den fahlen Abendhimmel abhoben. Es war, als ich an meinem Holtfreter schrieb: die Geschichte des Mannes, der eine öde Gegenwart von sich wirft, um in eine Zukunft zu gehen, in der er vielleicht selbst noch was bestimmen kann. Ich blickte in den Park und dachte ans Älterwerden, und da wurde mir seltsam zumute. Ich hatte plötzlich eine große Angst davor, daß auf einmal alles vorbei sein würde. Daß alles ohne mich weitergehen werde. Daß ich diesem Leben abhanden kam, daß ich entbehrlich war. Ich fühlte fast körperlich, wie mir das Leben entglitt, wo es doch einmal eine Zeit gegeben hatte, wo so etwas noch gar keine Gültigkeit hatte.“

(aus Jammerbugten oder Der Ernst des Lebens 1998)

Es waren nur wenige Leute da zur Beisetzung der Bechtolds, denn sie waren im Grunde die letzten aus dem Kreis der Freunde und Bekannten, die alle schon unter der Erde waren. Der Sohn Stefan war aus der Antarktis, wo er die Polkappe beim Erschlaffen beobachtete, herbeigeeilt, um die Eltern unter die Erde zu bringen und den Haushalt aufzulösen. Was hatte die Bechtolds veranlasst, der Welt abhanden zu kommen? Es war gewiß die Angst vor einem Alter in schlimmer Bedürftigkeit, die Furcht vor dem Siechtum, dem Leben als Pflegefall in einem Heim, die Furcht vor Alzheimer und Demenz, doch der tiefere Grund war wohl der, daß sich Kuhschnappel für sie erledigt hatte. Es war für sie die Welt gewesen.

(aus Kuhschnappel oder Die Erschlaffung der Welt 2009)